Darren Day seen through a Bentley Continental T windscreen.
Darren Day seen through a Bentley Continental T windscreen.
Unser Volk

Continental T

Darren Day

Der Continental T löste bei Bentley eine Revolution aus. Und er startete auf Knopfdruck.
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Design

Bruch mit Konventionen
Zum Starten den Knopf drücken

Die Traditionalisten müssen den Continental T wirklich gehasst haben. Mit seinem verkürzten Radstand, den weit ausgestellten Radläufen und dem 400 PS starken V8-Turbomotor räumte er jegliche Vorstellung von Bentley-typischem Understatement aus dem Weg. In seinem Auftritt, seinem Stil und seiner Ausstrahlung glich er eher einem NASCAR-Rennwagen als einer Luxuslimousine. 

 

Und im Innenraum wartete ein noch größerer Bruch mit Traditionen. Anstelle eines traditionellen Armaturenbretts in Burr Walnut sprangen einem beim Continental T von Tür zu Tür reichende Aluminiumblenden in Zapfenschliff-Optik (Engine-turned) ins Auge. Es gab sogar einen roten Startknopf. Ein Sakrileg. 

Für den jungen Designer Darren Day war der Continental T ein wahr gewordener Traum. Er fing im Oktober 1994 in Crewe an – als einer von nur vier Designern unter Chefdesigner Graham Hull. Der Continental T war sein erstes größeres Projekt. Er wurde damit beauftragt, Konzepte für ein komplettes Fahrzeug zu entwerfen – einschließlich Exterieur, Interieur, Rädern und sogar Motorraum. 

 

Zur Inspiration reiste Day zum Concours d'Elegance in Pebble Beach, um in Bentleys wildere, draufgängerische Vergangenheit einzutauchen. „Die alten Renn-Bentleys haben mich völlig umgehauen“, erinnert er sich. „Sie hatten große, weiße Rundinstrumente, Aluminium in Zapfenschliff-Optik ... und Startknöpfe. Einen Bentley mit Startknopf hatte es seit Vorkriegszeiten nicht mehr gegeben, aber mir gefiel, was er zum Ausdruck brachte. Das wollte ich als Merkmal unbedingt übernehmen.“

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Hochleistung

Die Rückkehr des Blower
Alles ausgereizt

Mitte der 90er Jahre war die Wiedergeburt von Bentley in vollem Gange. Mit dem 1985 eingeführten Turbo R war nach längerer Zeit wieder ein extrem leistungsstarkes Fahrzeug im Programm. Dank seines 6,75-Liter-V8-Turbomotors erledigte er den Sprint von 0 auf 100 km/h genauso schnell wie zweisitzige Supersportwagen der damaligen Zeit. Die Presse feierte das als „Rückkehr des Blower Bentley“. 

 

1991 folgte der Continental R, der erste Serien-Bentley mit eigenständigem Karosseriedesign seit vier Jahrzehnten. Am Tag seiner Vorstellung auf dem Genfer Automobilsalon füllten sich Bentleys Auftragsbücher für die nächsten beiden Jahre. 

 

Der Continental T sprengte alle Grenzen. „Mulliner-Geschäftsführer Jim Orr beschloss, eine limitierte Auflage zu produzieren“, erläutert Day. „Er ließ den Radstand eines Continental R um zehn Zentimeter verkürzen und übergab ihn mir mit einer einfachen Anweisung: ‚Erschaffe damit ein richtiges Biest.‘“ Orr schätzte, dass für einen so extremen Bentley eine Auflage von zehn Fahrzeugen gerechtfertigt sein könnte. 

Der Continental T verfügte über einen kürzeren Radstand, festere Lager am vorderen Hilfsrahmen, steifere Hinterachs-Längslenker und ein tiefergelegtes Fahrwerk. Anders als der Continental R hatte er außerdem eine zuschaltbare Traktionskontrolle – ziemlich praktisch, wenn 800 Nm Drehmoment versuchen, das Gummi von den Hinterreifen abzulösen. In den weiter ausgestellten Radläufen saßen 18-Zoll-Fünfspeichen-Leichtmetallräder mit 285/45-Reifen; breiter ging es Mitte der 90er nicht. Die Zeitschrift Autocar erklärte ihn zum „besten Bentley seit einem halben Jahrhundert“.  Für den Spurt von 0 auf 100 km/h brauchte er nur 5,9 Sekunden. Ein echtes Biest.

 

Der Continental T war wirklich extrem. Man liebte oder hasste ihn. Es fanden sich genug Kunden, die ihn liebten, um Jim Orrs anfängliche Schätzung von zehn Fahrzeugen ad absurdum zu führen. Bei Produktionsende im Jahr 2003 hatten 321 Continental T die Werkstätten in Crewe verlassen. 

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Evolution

Das Biest 2.0
Der Weg geht weiter

Durch die Arbeit am Continental T erhielt Darren Days Karriere eine neue Richtung. „Mir gefiel die Arbeit am Innenraum“, merkt er an. „Nicht nur die am Armaturenbrett, sondern auch die Arbeit an der Polsterung und Verkleidung. Für den Continental T haben wir zum ersten Mal ein dreifarbiges Interieur entworfen: Grün, Butterscotch und Tan. Bis dahin waren die meisten Bentleys in Magnolia verkleidet gewesen.“ 

 

Der Continental T der zweiten Generation war mit einem Matrix-Kühlergrill und einem 425 PS starken V8-Triebwerk ausgestattet. Das Innenraum-Design entwickelte sich ebenfalls weiter. „Beim ursprünglichen Continental T sind wir auf Nummer sicher gegangen“, erklärt Day. „An den Türabschlussleisten und an der Mittelkonsole, wo der Startknopf sitzt, haben wir gerade gemasertes Mahagoni verbaut. Bei der zweiten Generation haben wir gar kein Holz verwendet, sondern dunkler getöntes Aluminium in Zapfenschliff-Optik. Außerdem haben wir den Startknopf an eine prominente Stelle in der Mitte des Armaturenbretts verlegt, umgeben von Instrumenten.“

31 Jahre später ist Darren Day Head of Interior Design bei Bentley. Im neuen Designstudio im historischen Zentrum des Standorts in Crewe arbeiten inzwischen rund 50 Designer an der Zukunft des Außen- und Innenraumdesigns von Bentley. Eine große Veränderung gegenüber dem fünfköpfigen Team, als er im Unternehmen anfing. Und doch hat sich in gewisser Weise nichts verändert.

 

„Mir gefällt an Bentley, dass man dem Chef eine Idee präsentieren kann, und er sagt: ‚Probier‘s aus.‘ Selbst heute noch.“  Für Day versinnbildlicht der rote Startknopf des Continental T den gestalterischen Weg, den das Unternehmen während seiner Laufbahn eingeschlagen hat. „In der Broschüre zur Markteinführung hieß es: ‚Ein eigener Startknopf stellt Ihnen die Frage: Sind Sie bereit?‘“ Er lächelt. „Bentley jedenfalls war bereit.“