Drei erfahrene Bentley-Kunsthandwerker begutachten verschiedene Lederarten, an der Wand hängt eine Mustertafel.
Drei erfahrene Bentley-Kunsthandwerker begutachten verschiedene Lederarten, an der Wand hängt eine Mustertafel.

Handwerkskunst

Ein Jahrhundert unvergleichlicher Handwerkskunst

Seit der Entstehung des ersten Bentleys im Jahr 1919 prägt Menschlichkeit die Unternehmensphilosophie, die auf unvergleichlicher Handwerkskunst und hoher Leistungsfähigkeit basiert. Aus diesem Grund sind im Bentley-Werk in Crewe im Nordwesten Englands Tausende hochqualifizierter Handwerker damit beschäftigt, unsere Fahrzeuge von Hand zu fertigen, während in der Mulliner-Werkstatt einzigartige Sonderanfertigungen entstehen. Von den Furnieren, Stickereien und Lederelementen im Innenraum bis hin zur Außenlackierung: Die Handwerkskünstler von Bentley sind sehr stolz auf die Fahrzeuge, die sie herstellen. Deshalb schenken sie jedem Detail so viel Aufmerksamkeit und machen jede Fahrt zu einem Genuss für die Sinne.

Ein Bentley-Handwerker veredelt die Oberfläche eines Furniers aus Bark Stained Burr Walnut, während eine andere Person zusieht.
Nahaufnahme eines offenporigen Koa-Furniers.

Furniere

Die Welt der Furniere
Unsere Verpflichtung zu nachhaltiger Beschaffung
Handwerkskunst, die mit der Zeit geht
Weit mehr als nur Holz

Eines der markantesten Merkmale im Innenraum eines Bentleys ist der Ring aus Furnierholz, der rund um den Fahrgastraum verläuft. Um eine gewisse Symmetrie zu erzeugen, wenden die Handwerksspezialisten von Bentley ein Verfahren an, das als „Mirror-Matching“ bezeichnet wird: Nur Furnierblätter, die aus demselben Abschnitt eines einzigen Baumes stammen, werden hierfür zusammengefügt. So ergibt sich eine durchgehende Maserung, die Fahrer und Passagiere umgibt. Heute bietet Bentley Furniere von Bäumen aus aller Welt an. Von der satten, rauchigen Maserung des Furniers Dark Stained Burr Walnut bis hin zu maßgeschneiderten Optionen, darunter hellere Holzarten mit gerader Maserung: Jedes Furnierteil härtet 72 Stunden aus, wird anschließend sorgfältig geschliffen und in fünf Schichten lackiert, damit seine natürliche Schönheit voll zur Entfaltung kommt.

Für welches Holz sich der Kunde auch entscheidet, jedes von Bentley verwendete Furnierblatt stammt aus nachhaltigen Quellen. Bentleys Holzexperten scheuen keine Mühe, um die besten Furniere der Welt ausfindig zu machen. Im Durchschnitt sichtet ein Holzspezialist des Unternehmens im Rahmen unseres Auswahlprozesses rund 25.000 Quadratmeter Furnier. Umfassende Prüfungen gewährleisten, dass dieses Holz den Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstandards von Bentley entspricht. Erst danach kann das kräftig rotbraune Holz in ein Fahrzeug eingebaut werden. Für das Holz, aus dem das Liquid Amber-Furnier gewonnen wird, wurde beispielsweise eine umfassende zweijährige Suche durchgeführt, die das Team letztlich in die Feuchtgebiete des Mississippi führte, wo der Amerikanische Amberbaum wächst. Bentley verwendet ausschließlich das Holz von Bäumen, die ohne menschliches Zutun von selbst umfallen.

Die Suche nach dem richtigen Holz in der gewünschten Qualität ist eine immerwährende Herausforderung für die Experten von Bentley, zumal sich Geschmack und Modetrends ständig verändern. Als Reaktion auf den Wunsch einiger Kunden nach helleren und schlichteren Holzoberflächen hat Bentley vor Kurzem die Option Koa-Holz in sein Sortiment aufgenommen. Dieses gerade gemaserte Holz stammt von Bäumen, die auf Hawaii wachsen. Traditionell wird es zur Herstellung von Gitarren, Kanus und Surfbrettern verwendet und nur selten für das Interieur von Fahrzeugen – doch das ändert sich jetzt. Kunden, die sich für den neuen Continental GT entscheiden, können sogar Duo-Furniere auswählen. Ein unverwechselbares Merkmal von Bentley: zwei kontrastierende Furniere, getrennt durch eine Chromleiste. Dieses Designelement unterstreicht die Geräumigkeit des Innenraums und schafft einen atemberaubenden Effekt.

Trotz Bentleys langjähriger Tradition in der Verarbeitung von edlem Holz arbeitet das für Furniere zuständige Team auch mit vielen anderen Materialien. Die Handwerksspezialisten experimentieren ständig mit neuen Werkstoffen und Techniken, wie beispielsweise dem Furnier Côte de Genève an der Mittelkonsole des neuen Continental GT – eine wunderschöne Oberfläche, die von der Schweizer Uhrmacherkunst inspiriert ist. Carbon bietet einen modernen, vom Motorsport inspirierten Look, während geschliffenes Aluminium − auch „Engine Spin“ genannt − ein Interieur in Rennsport-Optik erschafft, das an Automobile und Flugzeuge vergangener Zeiten erinnert. Am anderen Ende des Spektrums vereinen Steinfurniere jahrhundertealte Handwerkskunst und modernste Technologie des 21. Jahrhunderts. Diese lasergeschnittenen Steinscheiben stammen aus nachhaltiger Gewinnung und sind ausschließlich in den natürlichen Farbtönen des Steins erhältlich. Die Scheiben sind extrem dünn und schaffen ein faszinierendes Innenraum-Ambiente, ohne das Fahrzeug nennenswert zu beschweren.

Feine Ziernähte im Rautenmuster auf Beluga-Leder.
Eine Person hält eine Bahn gemustertes Hot-Spur-Leder

Ledersorten

Das sorgfältig ausgewählte und mit höchster Präzision und spürbarem Stolz verarbeitete Leder trägt maßgeblich zur Atmosphäre von Komfort und Eleganz bei, durch die sich jeder Bentley auszeichnet. Bentley verwendet in keinem seiner Fahrzeuge Kunstleder. Für jeden Mulsanne werden circa 15 Lederhäute benötigt, für den Bentayga etwa 14, für den Flying Spur 13 und für den Continental GT zehn oder elf (je nach Karosserievariante). Je nach Modell sind sie in den unterschiedlichsten Farbtönen erhältlich, viele davon auch für das weichere Semianilin-Leder. Allein beim Flying Spur dauert es 26 Stunden, die Sitzbezüge zuzuschneiden, zu vernähen und zu veredeln. Jedes Lederstück wird auf der Rückseite vom Polsterspezialisten mit seinen Initialen versehen – ein persönliches Qualitätsmerkmal, das sich in jedem Fahrzeug findet. Damit erreicht ein Prozess seinen krönenden Abschluss, der damit beginnt, dass die Lederprüfer von Bentley die Rohhäute auf natürliche Mängel untersuchen. Das Endergebnis: eines der meisterhaftesten Interieurs in der Automobilwelt.

Kontraststickereien und -nähte an Portland-Leder, ausgeführt mit einer Präzisionsnähmaschine.
Nahaufnahme kontrastierender Steppnähte auf Portland-Leder.

Ziernähte und Stickereien

Qualität durch höchste Handwerkskunst
Individuelle Nadelarbeiten

Die Qualität der Nähte und Stickereien prägt die exquisite Innenausstattung jedes Bentleys, ganz so wie in vergangenen Zeiten. Viele Arbeiten werden nach wie vor von Hand erledigt − oft aus dem einfachen Grund, dass es unmöglich ist, den Qualitätsstandard von Bentley einzig mit Maschinen zu erfüllen. Das Leder, mit dem beispielsweise die Lenkräder ummantelt sind, lässt sich maschinell nicht ausreichend vernähen. Selbst eine scheinbar so einfache Aufgabe wie das Setzen der Nähte im gleichen Abstand wird am besten von Hand ausgeführt. Die Handwerksspezialisten bei Bentley markieren das Leder vor dem Nähen mit einer gewöhnlichen Küchengabel, wodurch die Markierungen perfekt platziert werden. Der gesamte Nähvorgang dauert fünf Stunden; dabei werden zehn Meter Garn für das Setzen von 620 einzelnen Stichen verbraucht − nur für das Lenkrad. Die Fertigstellung der gesamten Innenausstattung eines Mulsanne dauert ganze 136 Stunden.

Auch maßgefertigte Stickereien sind erhältlich, wobei einige Designs bis zu 500.000 einzelne Stiche in exklusiv abgestimmten Farbtönen umfassen. So wurden beispielsweise für die Mulsanne Hallmark Edition spezielle Gold- und Silberfäden verwendet, während die Sitze im Continental GT der Breitling Jets Limited Edition mit farblich auf das Breitling-Gelb abgestimmten Nähten versehen waren. Auch wenn ein Großteil dieser Arbeiten heute zwangsläufig von Nähmaschinen übernommen wird, entstehen die Muster nach wie vor unter dem wachsamen Auge unserer Spezialisten. Die entsprechenden Fähigkeiten werden über Generationen weitergegeben. Einige Mitglieder des 120-köpfigen Teams für Nadelarbeiten in Crewe blicken auf 40 Jahre Erfahrung zurück. Ganz in der Tradition von Bentley haben diese erfahrenen Teammitglieder die Aufgabe, ihr Wissen an die Auszubildenden weiterzugeben – die nächste Generation der Bentley-Experten.

Nahaufnahme eines Dark Burr Walnut-Furniers
Verschiedene Farbmuster auf einem Sockel, ganz vorne Orange Flame.

Lackierungen

Farben sind etwas zutiefst Persönliches. Bentley bietet deshalb mehr Standardfarben an als jeder andere Automobilhersteller. Jede einzelne wurde sorgfältig ausgewählt, um das einzigartige Design der Fahrzeuge perfekt in Szene zu setzen. Die Palette umfasst eine große Auswahl an Lackierungen, von Uni- und Metallic-Farben bis hin zu den auffälligen Perleffekt- und Satin-Lackierungen von Mulliner. Für die zweifarbigen Ausführungen gibt es 24 mögliche Kombinationen. Selbst handgemalte Lacklinien können in Auftrag gegeben werden – ein eindrucksvoller Beleg für die Präzision der Handwerksspezialisten von Bentley. Auch wenn heute im Werk bestimmte Teile des Lackierprozesses maschinell unterstützt werden, spielen erfahrene Handwerker dabei weiterhin eine entscheidende Rolle – so wie schon seit den Anfängen des Unternehmens. Für die Polier- und Schleifarbeiten an einem einzigen Bentley Mulsanne benötigt ein Team aus hochqualifizierten Mitarbeitern bis zu 12 Stunden. Durch Mulliner erfährt Bentleys Handwerkskunst in Sachen Farben eine weitere Steigerung. Dank des digitalen Farbabgleichs ist die Farbpalette nahezu unbegrenzt. Die Kunden müssen lediglich ein Muster ihrer Lieblingsfarbe vorlegen; diese kann dann im gesamten Fahrzeug umgesetzt werden – von der Außenlackierung bis hin zu den Lederbezügen, den Ziernähten und sämtlichen anderen Interieur-Details.

Innenansicht der Beifahrerseite mit einer maßgefertigten Einlegearbeit von Bentley, einem Bergmotiv aus offenporigem Dark Burr Walnut.
Nahaufnahme der Struktur von Hotspur-Leder mit gleichmäßigen Falzen.

Maßgefertigte Intarsien

Moderne Techniken und traditionelles Handwerk
Jedes Stück ein Unikat

Als eine der ältesten Kunstformen der Welt besteht die Intarsienkunst darin, Bildmotive in Furnier einzulegen. Man findet solche Kunstwerke normalerweise nur an historischen Gebäuden und antiken Möbeln. Dieses Handwerk verlangt großes Können und ist in der Automobilwelt nur selten anzutreffen. Bentley und Mulliner kombinierten moderne Techniken und Materialien mit traditionellem Handwerk, um maßgeschneiderte Intarsien für den Innenraum der Bentley-Fahrzeuge anzufertigen. Das können nur wenige andere Hersteller in dieser Form anbieten. Verwendet werden dabei vielfältige Materialien – von der gesamten Bandbreite an Holzarten bis hin zu exotischeren Materialien wie Gold und Perlmutt.

Anlässlich der Markteinführung des Bentayga wurde eine beeindruckende Armaturenbrettblende entworfen, die den Roque Bentayga auf Gran Canaria zeigt, den namensgebenden Berg für dieses Fahrzeug. Das Kunstwerk wird aus dem Holz von sechs verschiedenen Baumarten gefertigt und ist eine würdige Hommage an den weltweit ersten echten Luxus-SUV. Anlässlich des 100-jährigen Firmenjubiläums im Jahr 2019 wurde der Mulsanne W.O. Edition by Mulliner mit einem Intarsienbild geschmückt, das W.O. Bentley zeigt. Es wurde aus Holz in verschiedenen Grautönen hergestellt, wobei Aluminiumelemente dem Kunstwerk einen modernen Touch verliehen. Zu weiteren modernen Materialien, die für Einlegearbeiten verwendet wurden, zählt auch Karbon − zum Beispiel bei den sieben Continental GTs, die zu Ehren des Breitling Jet Teams entworfen wurden. Jedes Fahrzeug ist einem der Team-Jets gewidmet und umfasst ein Intarsienbild, das die sieben Flugzeuge in Formation zeigt.

Nahaufnahme von Beluga-Leder.
Ein Bentley-Handwerker experimentiert mit Beluga-Leder und Kontrastnähten in Chrome Yellow.

Eine fortlaufende Geschichte

Die handwerkliche Tradition von Bentley ist in der Automobilindustrie einzigartig. Dahinter steht die Hingabe der hochqualifizierten Mitarbeiter im Bentley-Werk in Crewe. Das Team möchte nicht nur an der Entstehung der edelsten Automobile der Welt mitwirken, sondern seine Handwerkskunst auch an die nächste Generation weitergeben.