W.O Stage Mood.jpg
W.O stage.jpg

Das außergewöhnliche Leben von W.O. Bentley

„Ein schnelles, gutes und in seiner Klasse überlegenes Automobil zu erschaffen.“

(W.O. Bentley, Gründer)

 

Walter Owen Bentley – der 1888 als jüngstes von neun Geschwistern geboren wurde und lieber W.O. genannt wurde – gründete das Unternehmen, das seinen Namen trägt, am 10. Juli 1919. Heute, fast 100 Jahre später, steht sein Name auf der ganzen Welt für Fahrzeuge, die eine unvergleichliche Kombination aus hoher Leistungsfähigkeit, exquisiter Handwerkskunst und edelsten Materialien bieten. Im Folgenden widmen wir uns dem Mann, der das Automobil für immer verändert hat.

 

Bentley Motors wurde von W.O. Bentley gegründet. Das erste Fahrzeug, das seinen Namen trug, fuhr 1919 aus den New Street Mews in London.

 

Trotz bescheidener Anfänge entwickelte sich das Unternehmen rasant weiter – stets getrieben von dem Wunsch, Luxus gleichberechtigt mit Leistung umzusetzen. Diese Kombination wirkt zunächst wie ein Widerspruch − wären da nicht die fünf Bentley-Siege in Le Mans in den 1920er-Jahren sowie ein sechster im Jahr 2003. Und auch heute noch vereint Bentley scheinbare Widersprüche und produziert Fahrzeuge mit hohem Renommee.

 

Fast ein Jahrhundert später ist die Vision von W.O. Bentley nach wie vor die Richtschnur für unsere Überzeugungen, Handlungen und Ambitionen. Bentley Motors mit Sitz in Crewe, England, und seit 1998 Teil der Volkswagen AG, ist nach wie vor der maßgebliche britische Luxusautomobilbauer, der die begehrtesten hochleistungsfähigen Grand Tourer der Welt herstellt.

W.O. Bentley.jpg
Heritage Grille V3.jpg

Die frühen Jahre

Die Kraft des Dampfes
Erfolg auf zwei Rädern
Inspiriert von einem Briefbeschwerer
Ein Flugzeugmotor

W.O. Bentley wurde die Leidenschaft für Mobilität in die Wiege gelegt. Im Alter von 9 Jahren kaufte er sich ein gebrauchtes Fahrrad und baute es auseinander, um herauszufinden, wie es genau funktionierte. Aber seine wahre Leidenschaft galt den Zügen. Mit 16 verließ er die Schule, um eine Lehre bei der Great Northern Railway zu beginnen und seinen Kindheitstraum zu verwirklichen: W.O. Bentley arbeitete auf dem Führerstand einer Dampflokomotive und schaufelte Kohle in die Feuerbüchse, um den Dampfdruck aufrechtzuerhalten. Nach fünf Jahren schloss er seine Ausbildung ab − doch zu diesem Zeitpunkt galt seine Leidenschaft bereits der Straße.

Noch während seiner Tätigkeit bei der Eisenbahn kaufte sich W.O. ein Quadrant-Motorrad und stürzte sich mit zwei seiner Brüder voller Begeisterung in den Rennsport. Er trainierte frühmorgens auf den Straßen, wenn noch keine Geschwindigkeitskontrollen stattfanden. 1907 nahm er am Rennen von London nach Edinburgh teil − und obwohl sein Motorrad kurz vor Edinburgh eine Panne hatte, gelang es ihm, das Bike zu reparieren und rechtzeitig ins Ziel zu kommen, um sich für eine Goldmedaille zu qualifizieren. Weitere Goldmedaillen folgten 1908 bei den Rennen von London nach Plymouth und von London nach Land’s End. Je mehr seine Leidenschaft für den Rennsport wuchs, desto geschickter wurde W.O. darin, die Leistung seiner Motoren zu optimieren. Seine Modifikationen an einem Rex-Speed-Modell waren so erfolgreich, dass sie vom offiziellen Rex-Team übernommen wurden.

Die Ingenieurskompetenz von W.O. spielte eine noch entscheidendere Rolle, als er sich 1912 mit einem seiner Brüder selbstständig machte und französische Autos der Marke Doriot, Flandrin & Parant importierte. Bei einem Besuch am Standort der Marke in Frankreich im Folgejahr erregte ein Briefbeschwerer aus Aluminium W.O. Bentleys Aufmerksamkeit. Er fragte sich, ob dieses leichte Material sich besser für die Herstellung von Kolben eignen würde als Stahl oder Gusseisen. Um das Material widerstandsfähiger zu machen und zu verhindern, dass es bei hohen Temperaturen schmilzt, experimentierte er in einer Gießerei mit der Herstellung einer neuen Legierung. Schließlich entschied er sich für eine Mischung aus 88  % Aluminium und 12  % Kupfer. Seine Neugierde zahlte sich aus: Der Einbau der neuen Kolben in die DFP-Fahrzeuge verhalf ihm in Brooklands zum Sieg und ermöglichte es ihm, mit umgerechnet 144,4  km/h einen neuen Geschwindigkeitsrekord für die fliegende Meile aufzustellen. Diese wichtige Entdeckung sollte sich als entscheidend für seinen späteren Erfolg erweisen.

Als der Erste Weltkrieg ausbrach, stellte W.O. seine Pläne zur Gründung einer Automobilfirma zurück und nutzte seine geheime Erfindung, um sein Land zu unterstützen. Als Captain im Royal Naval Air Service entwickelte er auf Grundlage seiner Aluminiumkolben einen Motor für Kampfflugzeuge, der deutlich leistungsstärker und zuverlässiger arbeitete als frühere Modelle. Diese neigten im Einsatz häufig zu Überhitzung und Festfressen. Der erste Bentley-Sternmotor, der BR.1, machte die Sopwith Camel zum erfolgreichsten britischen Jagdflugzeug des Krieges. W.O. entwickelte anschließend den BR.2. Während er dessen Produktion beaufsichtigte, besuchte er aktive Fliegerstaffeln. Auf einem Flugplatz, so erinnerte er sich später, „schien jede Kanone in Flandern das Feuer auf uns zu eröffnen“, als Manfred von Richthofen alias der Rote Baron einen Tieffliegerangriff flog. Zum Glück für die Zukunft der Automobilbranche sprangen W.O. und der ihn begleitende Offizier in einen Kanal und überlebten den Angriff.
W.O Bentley CTA 2.jpg
Grille- zoom out.jpg

Die Gründung von Bentley Motors

W.O. Bentley zum Member of the Order of the British Empire (MBE) ernannt
Herausragend auf Straße und Rennstrecke
Auf dem Weg zum Erfolg
„Ein Fahrzeug mit größtmöglicher Laufruhe und 160 km/h Höchstgeschwindigkeit“
Eine würdige Ehrung

In Anerkennung seines entscheidenden Beitrags zu den Kriegsanstrengungen wurde W.O. Bentley im Rahmen der britischen Neujahrs-Ehrenliste für 1919 in den Most Excellent Order of the British Empire aufgenommen. Außerdem erhielt er 8.000 Pfund von der Kommission zur Vergabe von Auszeichnungen an Erfinder. Damit hatte er das nötige Startkapital, um seinen Traum zu verwirklichen und eine eigene Automobilfirma zu gründen. So wurde am 10. Juli 1919 Bentley Motors gegründet. „Die Leitidee war einfach“, sagte W.O. „Wir wollten ein schnelles, gutes und in seiner Klasse überlegenes Automobil konstruieren.“ Und dieses Ziel sollte er wieder und wieder erreichen.

Während W.O. den allerersten Bentley entwickelte, berichtete die Zeitschrift „The Autocar“, dass er an einem Modell arbeitete, „das jene begeisterten Autofahrer ansprechen sollte, die sich ein Fahrzeug wünschen, das im Grunde ein echter Rennwagen mit Tourenausstattung ist“. Dieser Anspruch prägt bis heute die DNA von Bentley. Nach dem Erfolg des 3-Litre-Modells kam 1926 ein Sechszylinder-Motor mit 6 ½ Litern Hubraum auf den Markt − zunächst unter dem Namen „Big Six“, zwei Jahre später als „Speed Six“. Im Jahr 1928 entwickelte er den vierzylindrigen 4 ½ Litre und 1930 den sechszylindrigen 8 Litre. Es handelte sich in erster Linie um Straßenfahrzeuge – doch sie verfügten über die nötige Leistung und Ausdauer, um im Rennsport unglaubliche Ergebnisse zu erzielen.

W.O. war zunächst gegen eine Teilnahme am 24-Stunden-Rennen von Le Mans – einer Rennveranstaltung, die so eng mit dem Schicksal des Unternehmens verflochten sein sollte. „Ich halte die ganze Sache für verrückt“, sagt er. „Autos sind nicht dafür gebaut, um derartige Belastungen über 24 Stunden auszuhalten.“ Doch nachdem er gesehen hatte, wie Frank Clement und John Duff 1923 mit einem Bentley 3 Litre den vierten Platz belegten und sogar die schnellste Rundenzeit einfuhren, legte er seine Vorbehalte ab. Bentley dominierte schon bald das 24-Stunden-Rennen, holte in sieben Jahren unglaubliche fünf Siege und sorgte damit für jede Menge Schlagzeilen.

Der 8 Litre war W.O.s letzte Kreation und gilt weithin als sein Meisterwerk. Die Leistung und das Drehmoment des Reihensechszylinders waren so beeindruckend, dass das Unternehmen verkündete, der 8 Litre sei ohne Weiteres in der Lage, 160 km/h zu erreichen – unabhängig davon, für welche Karosserievariante sich der Besitzer entscheide. W.O. erklärte: „Ich wollte immer ein Automobil mit größtmöglicher Laufruhe und einer Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h bauen. Ich glaube, das haben wir jetzt geschafft.“ Zu diesem Urteil kam auch Kapitän W. Gordon Aston, der den 8 Litre für „The Tatler“ testete und sagte: „Ich habe noch nie ein Fahrzeug erlebt, bei dem eine solch beeindruckende Leistung mit einer derartigen Laufruhe einherging.“

Da es kurz vor der Markteinführung des 8 Litre zum Börsencrash an der Wall Street kam, wurden insgesamt nur 100 Exemplare hergestellt. Bentley baut nach wie vor Fahrzeuge, die atemberaubende Leistung mit exquisiter Handwerkskunst verbinden. Das Fahrzeug von W.O. ist im Werk in Crewe ausgestellt. Neu ernannte CEOs erhalten an ihrem ersten Tag jeweils den Schlüssel für das Fahrzeug – eine würdige Hommage an den Mann, mit dem alles begann.