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Die ursprünglichen Bentley Boys und Girls

Neben dem Unternehmensgründer W.O. Bentley haben die Bentley Boys mit ihren inspirierenden Geschichten das Image der Marke von Anfang an geprägt. Noch heute beflügelt ihr Geist die neuen Bentley Boys.

Inspiration für Generationen. Unvergessen.


Stets zu einem Rennen, einer Herausforderung oder einem Glas Champagner bereit: Die erste Generation der Bentley Boys war ein verschworener Zirkel außergewöhnlicher Playboys, Rennfahrer und Abenteurer, die in den 1920er- und 30er-Jahren zu Weltruhm gelangten. Mit ihrer Leidenschaft für Automobile und ihrer Bereitschaft, jederzeit eine Herausforderung anzunehmen, inspirierten sie unzählige Bentley-Fahrer und -Bewunderer. Hinter dem Steuer von Bentley-Fahrzeugen fuhren sie innerhalb von nur acht Jahren fünf Siege in Le Mans ein und dominierten damit das Geschehen.

 

„Ich bezweifle, dass es viele Marken gibt, die in solch einer kurzen Zeitspanne einen vergleichbaren Fundus an Legenden, Mythen, Geschichten und Anekdoten aufbauen konnten. Die Aktivitäten des Unternehmens waren genau nach dem Geschmack der Öffentlichkeit – sie ließen einen Hauch Glamour und Aufregung auf einen ansonsten eher eintönigen Alltag abfärben.“

 

W.O. Bentleys Worte fassen perfekt zusammen, was den Reiz der Bentley Boys und ihrer Fahrzeuge ausmachte.

 

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Die Bentley Boys

Ein außergewöhnliches Team
Hon. Sir „Tim“ Birkin
Glen Kidston
Dr. J.D. „Benjy“ Benjafield
John Duff

Zu den Bentley Boys gehörten unter anderem der frühere Kampfpilot Sir HRS „Tim“ Birkin, der an der Harley Street niedergelassene Arzt J.D. „Benjy“ Benjafield, der Motorsportjournalist SCH „Sammy“ Davis, „der geborene Abenteurer“ Glen Kidston sowie Woolf „Babe“ Barnato, die treibende Kraft der Gruppe. Sie alle profitierten von ihrer finanziellen Unabhängigkeit. Sie genossen ihr Leben in vollen Zügen und ihre Namen bestimmten mehr als einmal die Schlagzeilen. Grund dafür waren die Erfolge auf den Rennstrecken genauso wie ihre Taten außerhalb des Motorsports.

Blau-weiß gepunkteter Schal, sauber gestutzter Oberlippenbart, ehemaliger Kampfpilot und ein Adelstitel: Sir Henry „Tim“ Birkin war durch und durch ein britischer Sportheld. Er liebte den Rausch der Geschwindigkeit und war berühmt-berüchtigt dafür, seinen Fahrzeugen alles abzuverlangen. Er überzeugte die wohlhabende Erbin Dorothy Paget davon, ein Team mit kompressorgeladenen 4 ½ Litre Bentleys zu finanzieren, Fahrzeuge, die auch heute noch unter dem Namen „Blower“ bekannt sind. Die Blower erwiesen sich zwar als zu anfällig für Langstreckenrennen, doch bei Sprints mit Birkin am Steuer waren sie unschlagbar: 1932 stellte Birkin in Brooklands einen beeindruckenden Geschwindigkeitsrekord von 222,03 km/h auf.

Kidston, der zusammen mit Barnato 1930 in Le Mans den Sieg holte, schien in Gefahrensituationen geradezu aufzublühen. Als Kapitänleutnant der britischen Royal Navy überlebte er zwei Torpedoangriffe und ein Auflaufen seines U-Boots auf dem Meeresgrund. Er war der einzige Überlebende eines Flugzeugabsturzes auf einem Linienflug von Croydon nach Amsterdam – wobei er unerschrocken zweimal in das brennende Wrack zurückkehrte, um doch noch weitere Leben zu retten. Barnato beschrieb ihn als „... Ideal eines Sportsmanns. Das Wort ‚Furcht‘ existiert nicht in seinem Wortschatz ... In manchen Situationen ein Lebemann, ein Mann der Tat in anderen.“ Kurz nachdem Kidson einen Flugrekord von England nach Kapstadt aufgestellt hatte, riss seine Glückssträhne: Seine geliehene Havilland Puss Moth zerbrach mitten im Flug.

In jedem Freundeskreis ist er zu finden: der Stille, der von den anderen immer aufgezogen wird, dem aber doch die große Zuneigung aller gilt. Diese Rolle spielte „Benji“, ein Arzt mit Praxis in der Londoner Harley Street, neben seinen übermütigen Teamkameraden perfekt. Benjafield – bescheiden, nachdenklich und doch überraschend kompetent – war nicht der schnellste Bentley Boy, aber er hatte die notwendige Disziplin, um Teamentscheidungen zu befolgen, wenn es darum ging, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Er und Sammy Davis verhalfen Bentley 1927 zum am meisten bejubelten Le Mans-Sieg aller Zeiten: die beiden brachten den „Old Number 7“-Bentley als ersten über die Ziellinie, nachdem die anderen Bentley-Teams beim berüchtigten Maison-Blanche-Unfall ausgefallen waren. 1928 leistete Benjafield einen weiteren, ebenso wesentlichen Beitrag zum britischen Motorsport: Er gründete den British Racing Drivers’ Club.

John Duff war der erste Bentley-Fahrer, der 1924 das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewann. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 durchquerte er von Lushan in China aus das gesamte vorrevolutionäre Russland, um sich der britischen Armee anzuschließen. Bei Ypern wurde er verwundet. Nach dem Krieg stieg er in den Motorsport ein und überredete W.O. Bentley dazu, mit seiner Marke in Le Mans anzutreten. Duff belegte 1923 zusammen mit dem Bentley-Werksfahrer Frank Clement den 4. Platz, bevor er im folgenden Jahr den Sieg holte. Nach einem schweren Unfall beim Indianapolis 500 zog er sich 1926 aus dem Motorsport zurück. Als Fechter auf olympischem Niveau trainierte er Hollywoodstars im amerikanischen Santa Monica in dieser Kunst und trat für seinen Freund Gary Cooper in dessen Schwertkampfszenen als Double vor die Kamera. Später nahm er an Wettbewerben im Springreiten teil und kam bei einem Reitunfall 1958 ums Leben.

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Lebende Legenden

Vier der Bentley Boys lebten als Nachbarn am vornehmen Grosvenor Square im Londoner Stadtteil Mayfair. Immer wieder veranstalteten sie dort legendäre Partys. Nicht selten war am südöstlichen Ende des Platzes eine ganze Bentley-Flotte geparkt und unter den Londoner Taxifahrern hieß der Ort recht bald „Bentley Corner“.

Sie waren angesehene Stars, die erkannt und gefeiert wurden, wo immer sie auftauchten. Selbst Harry Craddock, der berühmte Barkeeper des Londoner Savoy Hotels ließ sich von ihnen bei der Kreation des Bentley Cocktails inspirieren. Und als Hommage an den Mastermind der Bentley Boys, schuf der Chef-Barkeeper der American Bar des Savoy im Jahr 2003 den Woolf Barnato Cocktail.

Das Savoy bildete auch die Kulisse für eine der bekanntesten Feiern der Bentley Boys. Nach dem Sieg mit einem Bentley 4 ½ Litre beim Le Mans-Rennen 1927 lud das britische Magazin „Autocar“ die Bentley Boys zu einem besonderen Dinner in das Hotel. Als Ehrengast des Abends sollte der siegreiche Wagen, der bis heute als „Old No. 7“ bekannt ist, dabei sein – im Rennzustand samt Schmutz und Spuren vom harten Einsatz. Das Elf-Gänge-Menü wurde der illustren Runde an einem Tisch serviert, der die Form eines Hufeisens hatte. So blieb in der Mitte genügend Platz für das Siegerfahrzeug.

 

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Die Bentley Girls

Bentleys fliegende Legende
Mary Petre Bruce: für die Geschwindigkeit geboren
Eine ungewöhnliche Bitte
Rekorde zu Lande, zu Wasser und in der Luft

Zwar mögen die Bentley Boys die Geschichte von Bentley Motors dominiert haben, doch standen ihnen die Bentley Girls kaum nach: Auch sie prägten die Marke in unnachahmlichem Bentley-Stil. Mary Petre Bruce, Dorothy Paget und Diana Barnato – Bentleys „Flying Lady“ – trugen alle einen außergewöhnlichen Teil zur Bentley-Legende bei.

Mary Petre Bruce war der Hunger nach Geschwindigkeit in die Wiege gelegt. Sie konnte jedem Rennfahrer von Bentley das Wasser reichen – und sie war die erste Frau, die in Großbritannien für zu schnelles Fahren mit einer Geldbuße belegt wurde. Im zarten Alter von 15 Jahren. Im Jahr 1926 heiratete sie Victor Bruce, den Gewinner der Rallye Monte Carlo in jenem Jahr. Brennend ehrgeizig wie sie war, nahm sie im folgenden Jahr selbst an der Rallye teil. Sie legte die 2.700 km in 72 Stunden ohne Schlaf zurück und wurde Sechste in der Gesamtwertung und Gewinnerin des Coupe des Dames. Sie ruhte sich jedoch keineswegs auf ihren Lorbeeren aus und wurde im Jahr 1928 Zweite. In den folgenden Jahren stellten Mary und ihr Ehemann Victor Bruce zahlreiche Langstreckenrekorde zwischen 6.500 und 24.000 km auf.

Im Jahr 1929 unternahm Mrs. Victor Bruce den Versuch, den begehrten 24-Stunden-Rekord der Klasse C auf der mit Steilkurven versehenen Strecke von Montlhéry bei Paris zu brechen. Doch ihr AC war einfach nicht leistungsstark genug. Umgehend vereinbarte Sie einen Termin bei W.O. Bentley und bat darum, einen Bentley 4½ Litre ausleihen zu dürfen. Als W.O. fragte, wer ihr Copilot sei, antwortete sie prompt: „Ich habe keinen Beifahrer. Ich fahre solo.“ Langes Schweigen. Schließlich wandte sich W.O. an Woolf Barnato und sagte: „Ich glaube, sie könnte es schaffen.“ Also lieh er ihr Tim Birkins 4½ Litre.

Mary Bruce hatte vor dem Rekordversuch noch nie einen Bentley gefahren – sie musste sich von den offiziellen Zeitnehmern Kissen borgen, um an die Pedale zu kommen. Trotz Nebel, Kälte und tückischer Streckenbedingungen legte sie in 24 Stunden 3.500 km bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 145 km/h zurück und holte sich damit den Rekord. Diese Leistung brachte ihr die lebenslange Mitgliedschaft im British Racing Drivers' Club ein. Im gleichen Jahr stellte sie einen Rekord im Rennboot für die schnellste doppelte Querung des Ärmelkanals auf, bevor sie sich ein Flugzeug kaufte und in nur sechs Wochen das Fliegen erlernte. Sie startete dann zu einem Soloflug um die Welt und brach dabei einen Rekord nach dem anderen. So war sie auch die erste Frau, die allein die Welt umrundete. Im Alter von 81 Jahren machte sie einen Auffrischungskurs und drehte auf ihrem ersten Flug nach 37 Jahren einen Looping. Als sie wieder festen Boden unter den Füßen hatte, rief sie: „Was für ein Spaß! Das hat mich um 50 Jahre verjüngt!“

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Die Geburtsstunde des Blower

Dorothy Paget und der Blower Bentley
Exzentrisch und talentiert
Wie der Vater, so die Tochter
Bentleys Flying Lady
Die schnellste Frau der Welt
Durch und durch Bentley

Dorothy Paget war zweierlei: sagenhaft reich und höchst exzentrisch. Und sie spielte eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung eines der legendärsten Bentley-Modelle: des 4 ½ Litre mit Kompressor, der auch unter der Bezeichnung Blower Bentley bekannt ist.

Zu den exzentrischen Eigenheiten von Paget gehörte es, ihre Bediensteten nach den Farben des Regenbogens zu benennen. Sie war dafür bekannt, die Nächte dem Glücksspiel zu widmen und die Tage zu verschlafen, und galt als resolute Frau, die genau wusste, was sie wollte. In den 1920er-Jahren, als andere junge Damen vor allem darauf bedacht waren, einen Ehemann zu finden, widmete sich Paget vor allem ihrer Leidenschaft für Geschwindigkeit und leistungsstarke Fahrzeuge. Ihr Interesse am Motorsport wurde bei einem Besuch in Brooklands geweckt, wo sie Fahrstunden von Bentley Boy und Rennfahrer Sir Tim Birkin erhielt. Er nannte sie eine der besten Fahrerinnen, die er jemals getroffen habe, eine, die „jeden Rennwagen fahren könne, egal welchen Fabrikats, egal, ob im In- oder Ausland hergestellt“. 1929 war Birkin von der Idee besessen, mehr Leistung aus dem Bentley 4 ½ Litre herauszuholen. Er war davon überzeugt, dass ihm das mit dem Kompressor von Amherst Villiers gelingen würde. Gegen den Willen von W.O. Bentley überzeugte Birkin Dorothy Paget davon, ein Racing-Team mit kompressorgeladenen Blowern zu finanzieren. Folglich wurden vier kompressorgeladene 4 ½ Litre Blower gebaut und Birkins Team trat neben Bentleys Team in Brooklands und Le Mans an.

Diana Barnato Walker, Tochter des dreimaligen Le Mans-Gewinners Woolf Barnato, hatte das Talent und den Mut ihres Vaters geerbt. Sie war eine versierte Reiterin und eine leidenschaftliche Autofahrerin in ihrer silbergrauen Bentley 4 ¼ Litre Park Ward-Limousine, die sie von ihrem Vater zu ihrem 21. Geburtstag bekommen hatte.

Die Fliegerei wurde, genau wie für Mary Petre Bruce, Diana Barnatos lebenslange Leidenschaft. Sie absolvierte im Brooklands Flying Club nach nur sechs Unterrichtsstunden ihren ersten Alleinflug und trat 1941 der Air Transport Auxiliary bei, einer Organisation, deren Aufgabe es war, Flugzeuge aus den Werken zu den Fliegerstaffeln an der Front zu überführen. Ein gefährlicher Job: Sie musste ohne jeglichen Kontakt zu Bodenstationen navigieren, denn die Funkfrequenzen waren den Flugstaffeln an der Front vorbehalten. Ihr glamouröses Auftreten und ihre außergewöhnlichen Flugkünste machten sie berühmt und bis zum Ende des Krieges hatte sie 260 Spitfires sowie zahlreiche andere Flugzeuge zu ihren Staffeln überführt.

Im Jahr 1962 wurde ihr für ihren Beitrag zur Fliegerei die Jean Lennox Bird Trophy verliehen und im folgenden Jahr brachte sie ein English Electric Lightning T14-Jagdflugzeug auf atemberaubende 2031 km/h – fast Mach 2 bzw. doppelte Schallgeschwindigkeit.

Als das Team Bentley im Jahr 2003 in Le Mans gewann, war Diana Barnato eine der wenigen, die noch persönliche Erinnerungen an die Ära der Original-Bentley Boys hatte. Beim feierlichen Dinner – das gemäß Bentley Tradition im Savoy stattfand – wurde spontan ein kleiner Wettkampf ausgerufen, wer am schnellsten in das Cockpit des siegreichen Speed 8 klettern und die Tür zuschlagen könne. Die 85-jährige Diana Barnato Walker streifte ihre Schuhe ab, eilte durch den Raum und schlängelte sich unter donnerndem Applaus in das Fahrzeug. Ihr Vater wäre stolz auf sie gewesen.